Uri Bülbül

BRACHLAND

Eine Novelle

"Wollen Sie die Geschichte weitererzählen?” fragte Lemming gereizt.
"Nein, nein”, erwiderte Niklas, "Ich wollte Ihnen lediglich die Möglichkeit bestärken, daß ich tatsächlich Ihrer Phantasie entsprungen sein könnte. Denn Sie denken sich ja nun wirklich seltsame Gestalten aus!”
Lemming schmunzelte: "Ja, ja, seltsame Gestalten. Ich sitze in der ewigen Finsternis meiner cartesianischen Einsamkeit, getäuscht von einem bösen Dämon, der mich täuschen kann, so viel er will, und denke mir einen Mann aus, der mir zuhört und meine Geschichte zerpflückt. Aber vielleicht sind Sie auch der böse Dämon!”
Mehr als ein Achselzucken hatte Niklas für diese These nicht übrig.
Lemming fügte noch hinzu: "Aber wichtig ist, daß wir existieren, nicht wahr, Niklas? Ich kann, da mag mich der Dämon täuschen, so viel er will, immer uneingeschänkt sagen: Ich bin, ich existiere!”
Niklas lachte: "Ja, Sie finden immer was, um sich einzureden, daß Sie existieren, Lemming! Sie sind ein Zauberer!”
"Schön, daß Sie es so unumwunden zugeben können, Niklas”, sagte Lemming.
"Ja, aber nicht ohne einen sophistischen Hintergedanken”, sagte Niklas verschmitzt grinsend, "Wenn ich nur ein Produkt Ihrer Phantasie bin, dann können letztlich nur Sie sich selbst den Mist eingebrockt haben, von dem Sie vorhin sprachen. Ich wasche meine Hände transzendentalphilosophisch in Unschuld.”
Niklas und Leming in einer zunächst undefinierten Wohnung, Lemming erzählt "zum Zeitvertreib" die BRACHLAND-Geschichte von den zwei Landstreicherinnen Vanessa und Elena. Kommt Ihnen die Geschichte bekannt vor? Sehen Sie? Niklas auch!

Gewiß bedarf das ÄSTHETIKUM auch einer Einleitung. Da aber ein Hypertextprojekt nicht linear ist, muß die Einleitung auch keineswegs am Anfang stehen. Seien Sie versichert: An der Einleitung ins Ästhetikum wird gearbeitet. Indes aber steht eine andere Arbeit kurz vor dem Abschluß: BRACHLAND. Eine Novelle.